Baumwand

Die Baumwand ist eine Produktentwicklung der Forschungsgruppe Baubotanik am Igma in Zusammenarbeit mit der Firma SecOp/GaLaTec im Auftrag der Firma Helix Pflanzensysteme (Patent angemeldet). Das Vorhaben wurde im Rahmen der Innovationsgutschein Baden-Württemberg gefördert und ist die erste konkrete Anwendung der baubotanischen Idee der Pflanzenaddition in einem gartenbaulichen Produkt.

Die Grundidee besteht darin, dass die zur Versorgung der Pflanzen notwendigen Behälter und deren Substratfüllungen zur Bildung einer geschlossenen Wandfläche herangezogen werden. Die selbsttragend ausgebildeten Pflanzcontainer sind dauerhafte Bestandteile der Konstruktion und übernehmen weitere Funktionen, wie beispielsweise die des Schallschutzes (Lärmschutzwand).

Die primären Tragfunktionen der Baumwand werden von den Pflanzbehältern und zusätzlichen, stabilisierenden Elementen, nicht von der Pflanzenstruktur übernommen. Diese stellen jedoch keine zusätzliche Belastung dar, sondern können zur Aussteifung und Verankerung des Bauwerks im Boden beitragen.

Insgesamt ist die Baumwand als ein „vegetatives Baukastensystem“ konzipiert: Die Pflanzbehälter sind in ihrer Modularität wie Mauersteine aufzufassen und werden bereits im Vorfeld mit Jungpflanzen bestückt. Baumartig wachsende Pflanzen werden mittels der Pflanzenaddition zu einer durchgehenden Struktur verbunden. Sie bilden mit der Zeit vor und oberhalb der Wand eine Baumkrone aus, die unterschiedlich geschnitten und gestaltet werden kann. Zusätzlich können weitere Behälter aber auch mit kriechend, schlingend oder staudenartig wachsenden Pflanzen bepflanzt sein, sodass die gesamte Wand zu einer vertikalen Grünfläche wird.

Weil die verwachsene Pflanzenstruktur ihren Wasser- und Nährstoffbedarf vom Boden aus decken kann, ist die Größe der Baumkrone nicht durch das limitierte Wurzelvolumen der Pflanzcontainer beschränkt. So kann sich eine große Blattfläche ausbilden, die bei konventioneller Bepflanzung oder Begrünung von Wänden nicht entstehen kann.

Integraler Bestandteil des Baumwand-Konzept ist außerdem die Einbeziehung eines Regenwassermanagement-Systems: Unter der Wand können im Erdreich poröse Wasserspeicher (Rigolen) eingebaut werden, die als Speicher für die künstliche Bewässerung der in der Wand wurzelnden Pflanzen dienen. Gleichzeitig steht dieses Wasserreservoir den im Boden wurzelnden Pflanzen unmittelbar zur Verfügung. Weil so Oberflächen- und Regenwasser genutzt werden kann, ist eine Bewässerung der Baumwand ohne Leitungswasser möglich.

  • Projekt:
    Forschungs- und Entwicklungsauftrag am IGMA
  • Team:
    Ferdinand Ludwig
  • Christoph Roesler
  • Auftraggeber
    Helix Pflanzen GmbH
  • Förderung
    Innovationsgutscheine Land Baden-Württemberg
  • Zeitraum
    seit 2009

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