Baubotanik Ferdinand Ludwig Forschung und Entwicklung Pflanzen als lebendes Baumaterial
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Produktion und Beschreibung von Pflanzen als lebendes Baumaterial

Einfache und eher kleine baubotanische Strukturen lassen sich mit gewöhnlichem Pflanzenmaterial umsetzen (sieh z. B. Projekt Steg). Um jedoch komplexere Strukturen in der Dimension ausgewachsener Bäume realisieren zu können, bedarf es nicht nur spezieller Methoden der Konstruktion (z. B. Pflanzenaddition) und der Pflanzenverbindung. Vor allem werden auch an das lebende Baumaterial besondere Anforderungen gestellt.

Eine entscheidende Bedingung ist insbesondere, dass die Pflanzen in sehr engen Radien gebogen werden können. Sie sollten deshalb möglichst dünn und biegsam sein, aber gleichzeitig auch eine möglichst große Gesamtlänge aufweisen. Daraus lässt sich ein morphologisches und biomechanisches Anforderungsprofil ableiten: Die Pflanzen sollten eine möglichst große Schlankheit (Verhältnis aus Länge und Durchmesser), ein kleines E-Modul und gleichzeitig eine hohe Zugfestigkeit aufweisen.

In Anzuchtversuchen wird daher untersucht, wie sich diese morphologischen und biomechanischen Eigenschaften durch unterschiedliche Wachstumsbedingungen  beeinflussen lassen und inwiefern ein Zusammenhang zwischen diesen Eigenschaften und ihrem anatomischen Aufbau besteht. Dabei wird durch die gezielte Kombination von Umweltreizen versucht, den Parameter Schlankheit bis an die Grenzen der morphologischen Plastizität zu steigern. Als Schlüsselreize zur Beeinflussung der Morphologie wurden die Beleuchtungsstärke und insbesondere die spektrale Zusammensetzung der Strahlung ausgewählt. Die Versuche werden mit Platanus acerifolia (gewöhnliche Platane) durchgeführt, da diese Art für baubotanische Projekte insgesamt besonders geeignete Eigenschaften aufweist.

Zur Durchführung der Versuche wurde ein spezielles Anzuchtgewächshaus konstruiert, in dessen 9 voneinander getrennten Kammern die Lichtverhältnisse gesteuert werden können, indem an den Folientüren Filterfolien bzw. Schattiergewebe angebracht werden. Zusätzlich wurden in einigen Kammern ausschließlich die Stängel der wachsenden Pflanzen mit lichtdichten bzw. lichtfilternden Folien umhüllt.

Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass insbesondere durch das Umhüllen der Stängel Pflanzen mit den gewünschten Eigenschaften erzeugt werden können, wobei noch zu klären ist wie bzw. inwiefern sich diese Ergebnisse in die Praxis der Pflanzenproduktion übertragen lassen.

  • Projekt:
    Teilprojekt des Promotionsvorhabens von Ferdinand Ludwig bei Prof. Dr. Gerd de Bruyn (IGMA) und Prof. Dr. Thomas Speck (PBG Freiburg)
  • Finanzierung:
    Stipendienprogramm der DBU
  • Zeitraum
    seit 02/2007
  • Versuchsfläche
    Wagenhallen Stuttgart

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