Platanenkubus Nagold

Platanenkubus Nagold

Der Platanenkubus Nagold ist das bislang größte baubotanische Bauwerk und gleichzeitig das erste, das konkret für einen urbanen Kontext geplant wird. Es ist als Beitrag zur Landesgartenschau 2012 in Nagold konzipiert und wird sich anschließend in eine Reihe von Stadthäusern einfügen. Während diese steinernen Häuser in einem grünen Garten stehen, ist es beim Platanenkubus genau umgekehrt: Das Bauwerk selbst ist die Pflanze, die aus einer primärer steinernen Fläche emporwächst.

Wer das Bauwerk betritt, wird von der schattigen Kühle einer Baumkrone empfangen. Einer Baumkrone, die sowohl Naturraum als auch architektonisch gestalteter Raum ist. Denn vom Rauschen der Blätter bis hin zu den tanzenden Schatten sind all die sinnlichen Qualitäten vorhanden, die man von natürlich gewachsenen Bäumen und Wäldern her kennt. In seiner geometrischen Gestaltung und durch die unterschiedlichen Ebenen und Treppen wird jedoch auch der architektonische Charakter deutlich. Das Bauwerk ist ein konstruierter Baum, ein regelmäßiger Würfel, der seine Gestalt im Laufe der Jahre immer wieder verändern wird.

Diese räumlichen und sinnlichen Qualitäten machen auch die ökologischen Potentiale der Baubotanik unmittelbar erlebbar: Durch die hohe Verdunstungsleistung der Blätter kühlen sie die Luft und schaffen so eine angenehmes Mikroklima. Und durch ihre große Blattfläche sind sie auch in der Lage, in erheblichem Umfang Feinstaub zu binden.

Während der Gartenschau wird das Bauwerk ein Ereignis sein: Die Besucher werden die zur Pflege bestimmten Plattformen und Einrichtungen betreten dürfen und kommen so in unmittelbaren Kontakt mit einem Gebilde, bei dem technische Einrichtungen und wachsende Pflanzen verschmelzen. Die Atmosphäre ist einerseits durch Schläuche, Regler, Sensoren und Ventile geprägt, andererseits durch das frische grün der jungen Blätter und Triebe, die aus den überall in den grünen Wänden angeordneten Pflanzbehältern sprießen.

Trotz seines auch technischen Charakters ist der Innenraum des Platanenkubus ein beinahe meditativer Ort der Stille. Die Blätterwände filtern den akustischen Trubel des Veranstaltungsgeländes und während der Gießintervalle ist ein regelmäßiges Tropfen zu vernehmen. Von den obersten Ebenen aus kann der Besucher unbemerkt – versteckt hinter Blättern – das Treiben auf dem Gartenschaugelände überblicken und sich mit ein wenig Phantasie ausmalen, wie das Bauwerk in Zukunft aussehen könnte: Wenn in den Jahren nach der Gartenschau die Pflanzen dick und stabil genug geworden sind, sollen die temporären Stützen entfernt werden.

Ohne dass sich durch die Wachstumsprozesse die Geometrie der Pflanzenstruktur grundsätzlich verändern würde, ändern sich in den folgenden Jahren doch die Proportionen des Bauwerks: Zu Anfang entsteht eine homogene, von der Basis bis zur Spitze durchgehende Blattfläche, eine grüne Wand. Im Laufe der Zeit – wenn die Pflanzen verwachsen sind – wird sich oberhalb der baubotanischen Struktur eine Baumkrone ausbilden, während gleichzeitig im unteren Bereich die fachwerkartig ausgebildet Stammstruktur immer stärker hervortreten wird. Das frische Grün weicht hier mehr und mehr einer knorrigen Struktur und es entwickelt sich die typische Rinde einer Platane. Oben wird sich durch die Kronenentwicklung der anfänglich zum Himmel hin offene Innenraum im Laufe der Zeit mehr und mehr schließen.

Im Rahmen des Holzbaupreises Baden-Württemberg 2012 gewann das Projekt den "Sonderpreis für Innovation".

  • Projekt:
    Entwurfs- und Planungsauftrag
  • Planungsteam:
    Ferdinand Ludwig;
    Daniel Schönle
  • Auftraggeber:
    Landesgartenschau Nagold 2012
  • Tragwerksplanung:
    Ingenieurbüro Brocke
  • Gartenbauliche Beratung:
    SecOp/GaLaTec
  • Gartenbauliche Umsetzung:
    Karl Walker GmbH
  • Vorproduktion Pflanzen:
    Helix Pflanzensysteme
  • Projektstatus:
    Einweihung 06/2012

 

Projekt: Experimentalbauwerk/Studienprojekt

Planungsteam: Ferdinand Ludwig; Oliver Storz; Cornelius Hackenbracht

Standort: Neue Kunst am Ried

Finanzierung: Neue Kunst am Ried, Sponsoren

Bauliche Fertigstellung: 04/2005