Europan Würzburg

Grow! - Europan Würzburg

Der Beitrag „Grow!“ zum Wettbewerb „Europan 2011“ versucht, die Entwicklung baubotanischer und städtebaulicher Strukturen miteinander zu verknüpfen. Dem geht die Grundidee voraus, dass Urbanität Platz für Unvorhergesehenes benötigt: Eine Stadt oder ein Stadtviertel sollte in seiner anfänglichen Entwicklungsphase noch nicht fertiggebaut und räumlich starr sein. Denn nur so kann es sich den wechselnden kulturellen, demographischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten anpassen und auch langfristig Nutzeransprüche befriedigen.

Bei „Grow!“ sind baubotanische Strukturen integraler Bestandteil der Bebauungsstruktur. Mit Hilfe der Methode der Pflanzenaddition können sie unmittelbar in der Dimension der umgebenden Gebäude realisiert werden. Zunächst werden sie von leichten Bambusgerüsten stabilisiert und sind nicht begehbar. Nach voraussichtlich 10 bis 15 Jahren sind sie durch ihr Dickenwachstum selbsttragend geworden und man kann damit beginnen, Nutzungsmodule einzubauen. Damit eröffnet sich die Möglichkeit, dass die Wohnräume der Zeilenbebauung durch zusätzliche Räume ergänzt werden können.

Räumlich gliedern die baubotanischen Strukturen die halböffentlichen Freiräume zwischen den Baukörpern und begleiten mit ihren Baumkronen die Wohnstrassen. Ihre ästhetische Wirkung ist durch die Eigenschaften der gewählten Baumarten und deren Entwicklungsprozesse im Wechsel der Jahreszeiten geprägt. Vorgeschlagen werden die drei Baumarten Kirsche (Prunus avium), Birke (Betula pendula) und Platane (Platanus acerifolia), die sich in Gestalt und Wirkung deutlich voneinander unterscheiden: Die Kirsche offeriert vom Frühjahr bis Herbst einen Wechsel romantischer Stimmungen – das Jahr beginnt mit dem Schauspiel der weißen Blüten, im Sommer folgen das dichte, grüne Laub und natürlich die Früchte, und im Herbst färbt sich das Laub leuchtend rot. Die Birke wirkt das ganze Jahr durch ihre schwarz-weiße Rindenstruktur und erzeugt luftige, auch bei sommerlicher Belaubung großteils transparente Kronenräume.

Auch in der Pflege wird mit den Baumarten unterschiedlich umgegangen: Die anfangs relativ dichte Rautenstruktur der Birken entwickelt durch Wachstumsprozesse und Konkurrenzeffekte im Laufe der Zeit ein heterogen-fragmentarisches Muster. Dieser Form partieller Verwilderung wird bei der von Beginn an weniger dicht aufgebauten Platanenstruktur durch den regelmäßigen Schnitt entgegengewirkt, sodass auch langfristig eine regelmäßige Struktur erhalten bleibt. So entsteht innerhalb weniger Jahre eine knorrige Stammstruktur mit relativ spät austreibenden, dann aber sehr dicht und leuchtend grün werdenden Blättern, die den immer dicker werdenden Astknollen entspringen.

  • Projekt:
    Wettbewerb
  • Projektteam:
    Ferdinand Ludwig;
    Daniel Schönle;
    Isabell Finkenberger
  • Mitarbeit:
    Andreas Ernst;
    Gregory Tarkhounian
  • Standort:
    Würzburg

Projekt: Experimentalbauwerk/Studienprojekt

Planungsteam: Ferdinand Ludwig; Oliver Storz; Cornelius Hackenbracht

Standort: Neue Kunst am Ried

Finanzierung: Neue Kunst am Ried, Sponsoren

Bauliche Fertigstellung: 04/2005

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